Brief des Präsidenten: Bundesheer und Coronakrise

 

Liebe Kameraden!

Wir durchleben eine Krise, die uns vor große Herausforderungen stellt. Wieder einmal muss das Bundesheer als Rettungsanker herhalten. Das tut es auch!

Dennoch muss an dieser Stelle auf die Fehlentwicklungen der letzten Jahre hingewiesen werden. In den 2000er Jahren verfolgte ein Verteidigungsminister einen völlig verfehlten Kurs: Das Bundesheer sollte in ein (kleines) Berufsheer für internationale Einsätze umgebaut werden. Zwar wurden diese Bestrebungen durch Volksentscheid im Jahr 2013 beendet, der Schaden war aber angerichtet: Kasernen zum Schleuderpreis verkauft, Heeresspitäler und Sanitätseinrichtungen aufgelöst, Militärärzte und Krankenbetten verloren.
Dazu kam der Verlust der Transportkapazität. Aus Budgetgründen konnten Fahrzeuge nicht mehr in Stand gesetzt werden, neue Fahrzeuge wurden jedoch kaum beschafft. Wenn in der letzten Zeit davon die Rede war, dass Kasernen als „Sicherheitsinseln“ auszustatten wären, dann ist festzustellen, dass das Gegenteil davon geschehen ist. Mit den verscherbelten Kasernen gingen Tankstellen verloren, Tankstellen in den kleineren Kasernen wurden stillgelegt. Kraftstoffreserven wurden aus budgetären Gründen kaum mehr angelegt und diese reichen zumeist nur noch für die Eigenversorgung des Bundesheeres aus.
Und nicht zuletzt sei auch darauf verwiesen, dass durch die Errichtung von einigen Zentralküchen, aus denen die übrigen Standorte versorgt werden, Kapazitäten im Küchenbereich einschließlich des Personals verloren gingen. Auch die vorhandenen und zu Ende der 1990er Jahre eingeführten neuen Feldküchen wurden stillgelegt und zum größeren Teil verkauft. Was mit den Küchen geschehen ist, das hatte auch Einfluss auf die Lebensmittelbevorratung.

Als gelernter Wirtschaftsunteroffizier weiß ich, dass das Bundesheer zu Zeiten der Raumverteidigung über einen Basisvorrat von zwei Wochen und darüber hinaus noch einmal, vertraglich gesichert, über Lebensmittel für weitere zwei Wochen verfügen konnte. Diese Vorräte wurden ebenfalls aufgelöst. Unter dem Strich bleibt festzuhalten, dass auf Grund völlig falscher Planvorstellungen Fähigkeiten aufgelassen wurden, die gerade zum Schutz unserer Bevölkerung dringend erforderlich wären.

Das Bundesheer wird dieses Mal wieder seinen Beitrag zur Bewältigung der Krise leisten. Dieser Beitrag ist unverzichtbar! Festzustellen ist aber, dass sich die geforderte Leistung des Heeres am untersten Rand des Fähigkeitsspektrums bewegt. Und trotzdem ist das Bundesheer damit bereits erheblich gefordert.
Was wäre, wenn nun nicht nur eine Pandemie zu bewältigen wäre, sondern vielleicht auch noch eine Naturkatastrophe, Unruhen oder ein erneuter Migrationsstrom?

Darüber sollte spätestens beim nächsten Verteidigungsbudget einmal nachgedacht werden!

Euer
Ludwig Bieringer, Präsident

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ÖKB-Präsident Ludwig Bieringer