Präsidentenbrief zum Thema "Mobilmachung von Milizeinheiten"

Liebe Kameraden!
In meinem letzten Präsidentenbrief habe ich die zum Teil selbst verursachten Mängel aufgezeigt, mit denen das Heer im Zuge der Mobilmachung der Milizeinheiten nun fertig werden muss. Diese Mängel mögen mitverantwortlich dafür sein, dass die Zeitspanne zwischen Bekanntgabe von Einsatz, Einsatzbefehl und tatsächlicher Einsatzbereitschaft doch verhältnismäßig lange ist. Kennzeichen eines Milizheeres sollte es in jedem Fall sein, der Republik Österreich als Handlungsreserve innerhalb kürzest möglicher Zeit zur Verfügung zu stehen. Eine lange Formierung und Ausbildung von Verbänden ist daher nicht zweckdienlich. Die Forderung nach Übungen von Milizeinheiten in Volltruppe erfährt durch diesen Vorgang ihre Bestätigung.
Ich möchte aber auch etwas Positives anmerken: Die Bundesministerin hat mit der Entscheidung zur Mobilmachung von Milizeinheiten großen Mut bewiesen. Ein solcher Schritt wurde seit dem Bestehen des Bundesheeres noch nie gesetzt, auch nicht dann, wenn es dazu Anlass gegeben hätte, wie z.B. beim Slowenienkrieg 1991. Man kann der Bundesministerin daher zu diesem Schritt nur gratulieren.
Seit einigen Tagen versehen die Milizeinheiten bereits ihren Dienst an der Grenze und anderen Ortes. Leider waren ziemlich viele Befreiungen zu registrieren. Soweit ich erste Rückmeldungen erhalten habe, versehen die Soldaten jedoch ihren Dienst mit Motivation und dem nötigen Fingerspitzengefühl. Zwar ist es noch zu früh, um eine abschließende Bilanz dieses Einsatzes ziehen zu können. Ich bin mir aber sicher, dass zahlreiche Erfahrungen und Schlussfolgerungen vorliegen werden, die uns dabei helfen, Verbesserungen für die Zukunft zu erreichen.
Ich bin mir der Tatsache bewusst, dass unsere Republik auch in finanzieller Hinsicht durch die Folgen der Covid19-Pandemie vor erheblichen Herausforderungen steht und dass der Ruf nach finanziellen Hilfen von allen Ecken und Enden erschallen wird. Bundekanzler Kurz hat bereits klargestellt, dass durch Finanzhilfen die schlimmsten Auswirkungen aufgefangen werden sollen. In aller Bescheidenheit möchte ich darauf hinweisen, dass das Bundesheer mit dazu beigetragen hat, die Covid19-Pandemie einzudämmen. Das Bundesheer braucht daher die erforderlichen Mittel, um auch in Zukunft die nötige Hilfe bereitstellen zu können. Wenn also nach der Covid19-Krise die Finanzhähne aufgedreht werden (müssen), so wünsche ich mir, dass dabei das Bundesheer nicht leer ausgeht, sondern bestehende und zum Teil auch offensichtliche Mängel in Ausrüstung und Bewaffnung, die durch den Sparkurs der letzten Dekade entstanden sind, ausgeglichen werden.

Sicherheit ist nicht alles, aber ohne Sicherheit ist alles nichts! Der Österreichische Kameradschaftsbund wird daher in diesem Sinne seine Stimme erheben!

Euer
Ludwig Bieringer
Präsident

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ÖKB-Präsident Bundesratpräsident a. D. Ludwig Bieringer