Der neue „Schwarze Falke“ ist am Fliegerhorst Brumowski gelandet

Erstellt von Oberst dG Reinhard Kraft |

Technisch auf den neuesten Stand gebracht, wird der Hubschrauber S-70 „Black Hawk“ auch in Zukunft das Rückgrat der militärischen Transporthubschrauberflotte im Österreichischen Bundesheer bleiben.

Am 15. März 2021 übergab Verteidigungsministerin Klaudia Tanner im Rahmen eines kleinen Festaktes in Langenlebarn den ersten modifizierten „Black Hawk“ an die Luftstreitkräfte. Neben der Beschaffung leichter Mehrzweckhubschrauber, im Rahmen einer Partnerschaft mit Italien, stellt dies einen weiteren Meilenstein in der Weiterentwicklung der Luftstreitkräfte dar. Die noch verbleibenden restlichen acht „Black Hawks“ werden nun ebenfalls sukzessive umgerüstet.

Warum eine Modifikation?
Diese Investition war in erster Linie deshalb erforderlich, da es für den nun seit fast 20 Jahren im Einsatz befindlichen „Black Hawk“ keine Ersatzteile für elektronische Bauteile mehr gab. Das ist durchaus auch mit privaten Computern zu Hause vergleichbar, für welche es bereits nach wenigen Jahren keine Ersatzteile mehr gibt und oft auch neuere Programme nicht mehr laufen. Gerade in der Elektronik entwickelt sich die Technologie immer rasanter, daher war es notwendig, auch hier eine Modernisierung durchzuführen.
Die Modifizierung umfasste neben der Erneuerung der gesamten Avionik (so nennt man elektronische Geräte in der Luftfahrt) auch die Integration des Behördenfunks, eines Helmvisiers und der Fähigkeit GPS-gestützter Anflugverfahren. Damit können Einsätze bei Tag und Nacht, sowie unter annähernd allen Witterungsbedingungen durchgeführt werden.
Darüber hinaus läuft auch noch die Beschaffung von drei weiteren „Black Hawks“. Diese werden ebenfalls mit dem neuen Cockpit ausgestattet sein und sollen in den kommenden Jahren geliefert werden. Damit wird das Bundesheer zukünftig über insgesamt 12 Hubschrauber dieses Typs verfügen.

Der militärische Zweck
Die Anforderungen an einen militärischen Transporthubschrauber sind sehr umfangreich. Für den Eigenschutz sind eine Bewaffnung und eine hohe Beschusssicherheit erforderlich. Gegen Bedrohungen wie Fliegerabwehrlenkwaffen sind Selbstschutzsysteme unerlässlich. Erst mit einer solchen Ausrüstung ist ein Transport von Luftlandetruppen und Spezialeinsatzkräften wie dem Jagdkommando unter Bedrohungen möglich. Anforderungen, welche der „Black Hawk“ mit Bravour erfüllt.
Aufgrund seiner modernen Avionik sowie seiner großen Personen- und Außenlasttransportkapazität eignet er sich in einer weiteren Rolle auch für Einsätze bei Elementarereignissen oder in der Zusammenarbeit mit anderen Blaulichtorganisationen (wie z.B. Polizei oder Feuerwehr). Somit steht er auch für Hilfeleistungen für die österreichische Bevölkerung jederzeit bereit.

Die militärische Organisation
Betrieben wird der „Black Hawk“ in der sogenannten mittleren Transporthubschrauberstaffel in Langenlebarn (das ist die ehemalige 1. Staffel für Insider). Diese gehört neben anderen Staffeln wiederum zum Luftunterstützungsgeschwader.
Das ebenfalls am Fliegerhorst Brumowski stationierte Luftunterstützungsgeschwader (gehört zum Kommando Luftunterstützung) ist ein einzigartiger Verband in Österreich, welcher die militärischen Fähigkeiten Lufttransport, Luftaufklärung aber auch Feuerunterstützung aus der Luft in sich vereint. Neben dem „Black Hawk“ kommen dort auch der Mehrzweckhubschrauber OH-58 „Kiowa“ und das leichte Transportflugzeug PC-6 zum Einsatz. Der Betrieb der Militärflugplätze in Langenlebarn und auch in Wiener Neustadt wird ebenfalls durch diesen vielseitigen Verband organisiert.
Die technische Wartung des hochmodernen „Black Hawk“ wird durch die Fliegerwerft 1, welche ebenso in Langenlebarn disloziert ist, sichergestellt. Hier muss festgehalten werden, dass die Techniker der Luftstreitkräfte diese hochkomplexen Technologien beherrschen und alle Erfordernisse der Lufttüchtigkeit erfüllen.

Der Auftrag
Die Ausrichtung der österreichischen Luftstreitkräfte mit ihren Flugzeugen und Hubschraubern ist klar auf die primäre Zweckbestimmung der Landesverteidigung abgestimmt, welche verfassungs- und einfachgesetzlich vorgegeben ist. Erst diese Organisation ermöglicht es in weiterer Folge auch Schutz und Hilfe bei Katastrophen jeglicher Art sicherstellen zu können. Wer verteidigen kann, der kann auch helfen. Wer nur helfen kann, der kann nicht verteidigen.
„Anywhere, anytime!“ (überall, jederzeit) – gemäß dem Motto des Kommandanten der Luftunterstützung steht die Luftunterstützung für die Sicherheit Österreichs bereit!

Technische Daten des S-70 „Black Hawk“:

Zwei Triebwerke zu je 1.940 PS

Max. Geschwindigkeit: 360 km/h

Max. Reichweite: 500 km, mit Zusatztanks bis zu 1.600km

Max. Flughöhe: 6.000m

Transportkapazität: 20-25 Personen

Maximale Außenlast von 4.000 kg

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Der Staffelkommandant übernimmt den ersten modifizierten „Black Hawk“ von BM Klaudia Tanner.
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Die Frau Bundesminister erhält eine erste Einweisung in das neue Cockpit.
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Bundesministerin Klaudia Tanner mit Oberst d.G. Kraft und dem Staffelkommandanten (v. r.) vor dem neuen „Schwarzen Falken“ in Langenlebarn.
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BM Klaudia Tanner bei ihrer Rede vor der Übergabe.
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Der Autor: Oberst dG Reinhard Kraft, Kommandant der Flieger- und Fliegerabwehrtruppenschule in Langenlebarn, Präsidialmitglied des Landesverbandes NÖ