KURIER-Geschmacklosigkeit: Kranzniederlegung des Bundespräsidenten als "Politiker-Kränzchen" bezeichnet

Erstellt von Josef Pfleger |

Einen Fauxpas der Sonderklasse hat sich heute, 27. Oktober 2020, die Tageszeitung KURIER geleistet. Sie titelte auf der Seite 2 in einem Bild von der Kranzniederlegung von Bundespräsident Alexander Van der Bellen am Heldenplatz in Wien: „Politiker-Kränzchen in der Krypta“.

Tiefer geht es wohl kaum noch – noch dazu für den KURIER, der in allen seinen Eigendarstellungen sich selbst immer wieder als „Qualitätszeitung“ bezeichnet. 
Da hat der zuständige Titelmacher – gerade bei einem solchen Anlass wie einem Totengedenken – ganz wenig, nein, überhaupt kein Gespür bewiesen.

Bleiben die Fragen:

  • Hat der Mann/die Frau überhaupt keinen Anstand, keine Moral?
  • Hat der Mann/die Frau überhaupt keinen Bezug zur Geschichte und zu der Generation von Österreichern, die ihre Lieben durch Krieg, Terror, Gewaltherrschaft oder in Konzentrationslagern verloren hat?
  • Ist der Mann/die Frau mit seiner/ihrer Position völlig überfordert?

Monika Pertmayer aus Korneuburg hat Präsident Ludwig Bieringer den folgenden Leserbrief übermittelt, den wir unseren Lesern nicht vorenthalten wollen:

Sehr geehrte Redaktion!
Sie haben heute, 27. Oktober, Seite 2, ein Foto der Kranzniederlegung im Burgtor, auf welchem der Bundespräsident sowie Soldaten zu sehen waren, mit der Überschrift "Politiker-Kränzchen in der Krypta“ (sic)!! versehen.
Dies ist an Respektlosigkeit nicht zu überbieten und Ihrer Zeitung unwürdig. Sollte es sich um eine Satire handeln, trifft das Gleiche zu und ist geschmacklos. Bei dieser Veranstaltung wird unserer Väter, Großväter und Angehörigen gedacht, die ihr Leben als Soldaten gelassen haben. Ob sie das wollten oder nicht, ist bedeutungslos.

Eine derartige Überschrift haben sich weder die Politiker noch die Toten verdient. Schämen Sie sich in Grund und Boden und vor allem entschuldigen sie sich!!!

Monika Pertmayr“

Dem ist wohl nichts hinzuzufügen – außer, dass auch der ÖKB sich eine entsprechende Entschuldigung im KURIER an der gleichen Stelle auf Seite 2 und in der gleichen Schriftgröße erwartet.

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KURIER vom 27. Oktober 2020