Zur Bedeutung des traditionellen Erinnerns und Gedenkens an die Opfer von Krieg und Gewalt

  • Erstellt von Vizepräsident Alwin Denz

Das jährliche Erinnern und Gedenken an alle Opfer von Krieg und Gewalt durch die Kameradschaftsbünde in Form einer Gedenkfeier mit Kranzniederlegung am örtlichen Krieger-/Gefallenendenkmal hat aus Sicht des Österreichischen Kameradschaftsbundes (ÖKB) eine große gesellschaftliche Bedeutung.
Es erfüllt mehrere wichtige Aufgaben für das Zusammenleben einer Gemeinschaft und für die Bewahrung demokratischer Werte, die nachstehend näher ausgeführt werden.
Zunächst hält eine solche Gedenkfeier die Erinnerung an die Menschen (unsere Angehörigen) wach, die durch Krieg, Terror, politische Verfolgung, Vertreibung oder andere Formen von Gewalt ihr Leben verloren haben.

Der Erste Weltkrieg begann am 28. Juli 1914 mit der Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien und endete mit dem Waffenstillstand von Compiègne am 11. November 1918. Weltweit gab es rund 9 Millionen getötete Militärpersonen und etwa 6 Millionen zivile Tote. Österreich-Ungarn hatte rund 1,46 Millionen gefallene Soldaten und etwa 400.000 zivile Tote.

Als Tote, Opfer oder Menschenverluste des Zweiten Weltkrieges werden im engeren Sinn die Menschen bezeichnet, die seit dem Kriegsbeginn in Europa am 1. September 1939 bis zur Kapitulation Japans am 2. September 1945 durch Kriegshandlungen getötet wurden. Im weiteren Sinn bezeichnet man damit auch Menschen, die durch Massenverbrechen im Kriegsverlauf und an den Kriegsfolgen ihr Leben verloren haben.
Für die durch direkte Kriegseinwirkung Getöteten werden Schätzungen von 60-65 Millionen angegeben. Die Schätzungen, die Verbrechen und Kriegsfolgen einbeziehen, reichen bis zu 80 Millionen Toten.
Österreich hatte etwa 247.000 Militärtote und mindestens 120.000 Tote, die in Haft, Konzentrationslagern und im Rahmen von Euthanasieprogrammen umgekommen sind, zu beklagen. Ziviltote, die durch Luftangriffe und Kriegshandlungen auf österreichischem Boden zum Opfer gefallen sind, betragen etwa 25.000-30.000.

Allen diesen Opfern von Krieg, Terror und Gewalt geben unsere Soldatengräber sowie Krieger-/Gefallenendenkmale Identität, Namen und eine ewige Botschaft: „Den Toten zum Gedenken – den Lebenden zur Erinnerung – den Kommenden zur Mahnung“.

Mit zunehmendem zeitlichen Abstand verschwinden persönliche Erinnerungen, Zeitzeugen werden weniger und historische Ereignisse geraten leichter in Vergessenheit. Das gemeinsame Gedenken sorgt dafür, dass die Schicksale (aber auch die Namen) der Opfer nicht aus dem kollektiven Bewusstsein verschwinden.

Darüber hinaus ist das Gedenken ein Ausdruck von Respekt und menschlicher Würde. Die Kranzniederlegung symbolisiert die Anerkennung des erlittenen Leids und macht deutlich, dass jedes Menschenleben wertvoll ist. Die Gesellschaft zeigt damit, dass sie die Opfer nicht vergisst und ihr Schicksal als Teil ihrer gemeinsamen Geschichte anerkennt.

Eine weitere wichtige Funktion besteht darin, aus der Vergangenheit zu lernen. Kriege und Gewalttaten entstehen nicht plötzlich, sondern entwickeln sich häufig aus Intoleranz, Hass, Ausgrenzung, Machtmissbrauch oder dem Versagen demokratischer Strukturen. Die regelmäßige Erinnerung an die Folgen solcher Entwicklungen schärft das Bewusstsein für die Bedeutung von Frieden, Freiheit, Menschenrechten, Sicherheit, Solidarität, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit.

Gedenkfeiern sind daher nicht nur ein Blick zurück, sondern auch ein Auftrag bzw. eine klare Haltung für die Gegenwart und Zukunft.
Zugleich stärken solche Veranstaltungen den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Menschen unterschiedlicher Generationen, Herkunft und Überzeugungen kommen zusammen, um eines gemeinsamen Anliegens willen innezuhalten.
Das schafft ein Bewusstsein für gemeinsame Werte und fördert die Verantwortung jedes/jeder Einzelnen für ein friedliches Miteinander.

Besonders auch für junge Menschen haben die jährlichen Gedenkfeiern eine wichtige Bildungsfunktion. Sie bieten die Möglichkeit, historische Ereignisse greifbar zu machen und die Folgen von Krieg und Gewalt verständlich zu vermitteln.
Dadurch wird das historische Bewusstsein gestärkt und die Bereitschaft gefördert, sich für Frieden, Freiheit, Sicherheit, Toleranz und Menschlichkeit einzusetzen.

Die jährliche Wiederholung des Gedenkens ist dabei von besonderer Bedeutung. Die Erinnerungskultur lebt von Kontinuität.
Ein einmaliges Gedenken kann Aufmerksamkeit schaffen, doch erst die regelmäßige Wiederkehr verankert die Erinnerung dauerhaft im öffentlichen Leben.
Sie macht deutlich, dass die Verantwortung gegenüber den Opfern und die Verpflichtung zum Frieden keine zeitlich begrenzten Aufgaben sind.
Deshalb ist die jährliche Gedenkfeier mit Kranzniederlegung weit mehr als ein symbolischer Akt. Sie bewahrt die Erinnerung an die Opfer, würdigt ihr Leid, vermittelt historische Verantwortung, stärkt demokratische Werte und trägt dazu bei, dass die Gesellschaft aus den Erfahrungen der Vergangenheit lernt und sich nachhaltig für eine friedliche Zukunft einsetzt.

Wer die Opfergräber und Kriegerdenkmale als ruhelosen Kompass für Frieden, Freiheit, Sicherheit, Menschlichkeit und Solidarität versteht; wer sich den Stätten der Trauer, auch als Stätten des Trostes, der Hoffnung und der Begegnung der Generationen zuwendet und ihren Sinn als zeitlosen Wegweiser aus der leidvollen Vergangenheit in eine friedvolle Zukunft bewahrt; auch wer die würdevollen Gedenkanlagen pflegt und betreut, der dient der Versöhnung zwischen den Völkern und damit einem sinnerfüllten Leben.

Ein aufrichtiges „Vergelt´s Gott!“ allen, die den gewaltvoll ums Leben gekommenen Angehörigen, den im friedenserhaltenden und humanitären Einsatz getöteten Soldaten des Bundesheeres und Mitgliedern der Hilfs-, Rettungs- und Exekutivorganisationen Stimme und Licht geben, ein Licht des Lebens, der Hoffnung und des Friedens.

OAR Alwin Denz, Oberst
ÖKB-Vizepräsident, m.d.W.d.G.b.

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